Wärmebildkameras im Feuerwehreinsatz

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Markus Pulm (Dr. der Chemie und Oberbrandrat bei der BF Karlsruhe) - bisher schon bekannt durch sein Buch "Falsche Taktik - Große Schäden" - hat auch ein gutes Buch über "Wärmebildkameras im Feuerwehreinsatz" geschrieben, das im Verlag Kohlhammer unter ISBN 3-17-018608-6 im Jahr 2005 erschienen ist. Das Buch ist z. B. über Amazon um ca. 10,- € erhältlich

Markus Pulm kommt in dem Buch zum Fazit, dass die Wärmebildkameras de Innovation der vergangenen Jahre im Feuerwehrwesen schlechthin sind, da sie uns Sehvermögen in Situationen geben, die wir sonst blind meistern müssten. Damit erschließen sich uns bei vielen Einsatzszenarien völlig neue Möglichkeiten. Sie dienen einerseits unserer Sicherheit und helfen uns, den Auftrag schneller und besser zu bewältigen. Ziel muss es seiner Meinung nach sein, schon in der Anfangsphase bei allen Brandeinsätzen eine Wärmebildkamera zur Verfügung zu haben, um die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Menschenrettung zu erhöhen, die Sicherheit der Trupps zu verbessern und unnötige Schäden zu vermeiden.

Funktionsweise

Wärmebildkameras wandeln die von Menschen, Tieren, aber auch die von Bränden ausgehende für uns unsichtbare Wärmestrahlung in ein sichtbares Bild um, wobei aber nur eine geringe Anzahl v. Graustufen und Farben zur Verfügung steht. Feste Gegenstände können allerdings nicht durchdrungen werden.

Hinweise zur Anwendung

Der Umgang mit einer Wärmebildkamera ist extrem einfach und dennoch gewöhnungsbedürftig, er bedarf daher Erfahrungen, die bei Übungen und Einsätzen gewonnen werden können. Der Trupp muss jedoch trotzdem auch das Umfeld, wie die Zustände im Deckenbereich oder nach unten oder den Rückzugsweg beobachten. Der Einsatz bringt Vorteile durch rascheres Fortbewegen, ebenso beim Absuchen eines Raumes. Wenn jedoch nur der Truppführer den Monitor einsehen kann, ist dieser gefordert, die Funktion eines "Blindenhundes" für die übrigen Truppmitglieder zu übernehmen. Er sieht nämlich Dinge, die die übrigen nicht sehen können und geht im Unterbewussten davon aus, dass diese für alle sichtbar sind. Diese laufen aber Gefahr, an Hindernisse zu stoßen oder zu stürzen, wenn ihnen der Truppführer nicht gelegentlich auch Einblick auf den Monitor gewährt oder durch verstärkte Kommunikation ständig über die Lage informiert.

Die bessere Sicht darf in keinem Fall zu einem Verzicht auf sonst übliche Sicherheitsstandards (Leine, gefüllte Schlauchleitung etc.) führen.

Anwendungsmöglichkeiten

Im Buch werden die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten bei den unterschiedlichen Einsatzarten vorgestellt.

Brandeinsatz

Wärmebildkameras erlauben ein zweidimensionales (kein dreidimensionales) Sehen auch bei Dunkelheit und völliger Verrauchung und erlauben daher ein weitaus bessere Orientierung im Raum. Hindernisse, Stolper- und Absturzgefahren werden rechtzeitig erkannt. Wenn die Temperaturen es zulassen, kann aufrecht gegangen werden. Gleichzeitig können die Räume auf dem kürzesten Weg durchwandert werden, ohne sich an den Wänden entlang tasten zu müssen.

Der Autor erwähnt ein Beispiel von einem PKW-Brand in einer Tiefgarage. Obwohl der PKW in unmittelbarer Nähe einer Rauchschleuse stand, entschied man sich gegen den kurzen Angriffsweg über den Treppenraum des Wohnhauses, sondern nahm mit der WBK den längeren Weg durch den Rauch in Kauf. Damit blieb die Rauchschleuse intakt und der Treppenraum rauchfrei.

Die WBK ermöglicht die rasche Lokalisierung von Brandstellen, z.B. bei unklaren Brandmeldungen oder Brandgeruch ohne ersichtliche Quelle. Wenn der Brandherd sonst im dichten Rauch nicht lokalisierbar ist, gewährt die WBK gute Sicht, auch bei Brandherden in Decken oder in schwer zugänglichen Höhen. Damit kann der Brand gezielt bekämpft und Löschwasserschäden vermieden werden. Eine unmittelbare Kontrolle, ob der Löschmittelstrahl richtig platziert ist, ist möglich. Bei Großbränden könnte die Wärmebildkamera auch von der Drehleiter aus die Treffsicherheit der Wasserwerfer kontrollieren und dirigieren.

Bei Dehnfugenbränden oder unzugänglichen Hohlräumen hilft die Wärmebildkamera, den Brandherd zu lokalisieren, sodass gezielt Bohrungen zur Einbringung des Löschmittels vorgenommen werden können.

Wärmebildkameras liefern auch Hinweise auf weitere Brandherde, die durch Wärmetransportvorgänge oder Brandstiftung ausgelöst worden sein können.

Durch die optische Darstellung der Umgebung mit der WBK (z.B. auffallende Temperaturprofile an heißen Türen etc.) kann die Lage besser beurteilt werden. Aber auch für die Lagebeurteilung von außen kann der Einsatz der WBK sinnvoll sein, um Rückschlüsse auf die Brandausbreitung im Inneren zu ziehen oder bei der Wahl des günstigsten Angriffweges zu unterstützen. Der Füllstand von Silos ist ebenfalls feststellbar.

Menschen- und Tierrettung: Mit der WBK werden Menschen schneller gefunden, wird keine unnötige Zeit mit dem Absuchen leerer Räume vergeudet und können Zugriff und Rettung auf kürzestem Weg in beschleunigter Gangart erfolgen. Eine hinter einem Hindernis liegende Person wird allerdings nicht gefunden. Bei der Suche müssen daher auch die nicht sofort einsehbaren Bereiche hinter Nischen, Sofas, Bett, in Kästen usw. gezielt abgesucht werden.

WBK helfen, bei Fehlalarmen wertvolle Zeit zu sparen und erhöhen die Sicherheit bei der Feststellung, dass es sich tatsächlich um einen Fehlalarm gehandelt hat.

Die WBK spürt mit hinreichender Sicherheit Glutnester auf. Nachlöscharbeiten können gezielt und mit wenig Wasser durchgeführt werden. Damit können auch die Interessen der Polizei betreffend Brandursachenermittlung bestmöglich berücksichtigt werden.

Auch zur Kontrolle nach Heißarbeiten können diese bei Brandsicherheitswachen gute Dienste leisten.

Hilfeleistungseinsätze (Technische Einsätze)

Bei Personensuchen, insbesondere bei Nacht kann die WBK wertvolle Dienste leisten. Es darf natürlich kein Hindernis dazwischen liegen, wie z.B. auch das Laub der Bäume im Wald im Sommer, wenn die vermisste Person vom Hubschrauber aus gesucht wird. Gleiches gilt auch für Personen unter der Wasseroberfläche.

Bereitet das Aufspüren von Insektennestern Probleme, kann auch dabei die WBK helfen. Das Nest ist durch die darin lebenden Tiere wärmer als die Umgebung.

Umweltschutzeinsätze

Zur Füllstandskontrolle bei Tanks, Kesselwagen und Tanklastzügen kann die WBK verwendet werden. Bei stark gedämmten Tanks liefern sie mitunter allerdings kein klares Bild.

Bei chemischen Substanzen können Gefahren aus unkontrollierte exothermen Reaktionen resultieren. Diese Wärmeentwicklung ist mit der WBK feststellbar. Der Autor erzählt ein Praxisbeispiel, bei dem ein Fass aus einem Lager gezielt gefunden werden konnte, das sich schneeweiß leuchtend in der WBK von den übrigen abhob.

Auch Gewässerverunreinigungen durch einige nicht wasserlösliche Stoffe (wie Öle) können mit der WBK sichtbar gemacht werden.

Schließlich können auch Energieverluste von Gebäuden festgestellt werden.

Einsatz in der Ausbildung

Die WBK ermöglicht die Kontrolle des richtigen Verhaltens der Teilnehmer bei Ausbildungen in vernebelten Räumen.

Sonstige Anwendungsmöglichkeiten

Sonstige Anwendungsmöglichkeiten bieten sich z.B. in Bezug auf die Kontrolle von Schaltschränken, da sich elektrische Bauteile bei Defekten durch den zunehmenden Widerstand aufheizen. Damit können Bauteile mit einem atypischen Betriebszustand aufgefunden werden. Hier würde sich jedoch ein Bildspeicher empfehlen, um die Bilder mit dem früheren Normalzustand vergleichen zu können.

Das Aufspüren von Wasserleitungen in Fußboden- oder Wandheizungen ist ebenfalls möglich. Dazu sollten zwar die Leitungen erwärmt sein, aber nicht so weit, dass die ganze Fläche gleichmäßig warm ist.

Einsatzgrenzen

Wie jedes Gerät kann auch die WBK ausfallen. Daher ist es unbedingt notwendig, die üblichen Sicherheitsstandards (truppweise vorgehen, Rückzugssicherung, Funkverbindung, Atemschutzüberwachung etc.) einzuhalten. Treppen auch bei WBK-Einsatz unter Atemschutz rückwärts begehen!

Die WBK stellt Temperaturunterschiede dar. Die evtl. vorhandene integrierte Temperaturmessung haben erhebliche Fehlertoleranzen von bis zu 100%.

Die WBK gewährt keinen Blick durch Hindernisse. Befindet sich zwischen Kamera und dem Objekt eine Wand oder Fenster, wird das Temperaturprofil von Wand bzw. Fenster dargestellt, nicht das des Objektes. Auch das Blätterdach des Waldes oder die Wasseroberfläche wirken ebenso.

Bei ganz extremer Verrauchung mit vielen Rußpartikeln kann ebenfalls die Wärmestrahlung so gut absorbiert werden, dass die Sichtweite der Kamera sehr gering ist.

Spiegelnde Oberflächen können Fehlinterpretationen auslösen. So können klare, glänzende Oberflächen hell erscheinen und damit eine höhere Temperatur suggerieren. Ebenso kann sich der Träger der WBK selbst im Monitor sehen, wenn er vor einer Glasfläche steht.

Fazit

Neben den bereits einleitend angeführten Sätzen kommt Markus Pulm zum Schluss: "Der Siegeszug der Wärmebildkameras bei den Feuerwehren hat begonnen. Er ist nicht mehr aufzuhalten."

Text: Franz Bretterbauer